Ökokapitalismus ist auch keine Lösung
27. Juni 2012 von Peter | 2 Kommentare
Der Umweltgipfel Rio+20 verlief ernüchternd: 20 Jahre nach der euphorischen Rio-Konferenz zeigt sich, dass die Staaten der Welt nicht bereit sind, die Herausforderungen der multiplen globalen Krisen ernst zu nehmen. Obwohl seit langem klar ist, dass ein Umbau der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklungen bitter nötig ist, spielen die Nationalstaaten die Finanz- und Schuldenkrise gegen die weltweite Armuts-, Ernährungs und Umweltkrise aus. Dem Eingeständnis, dass die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht, folgt die Einschränkung, dass zur Vermeidung von Armut ein Fortschreiten auf dem Wachstumspfad nötig sei, um sich soziale Sicherungen leisten zu können. Eine Green Economy setzt dagegen auf einen grünen Anstrich der Produktionserhältnisse, der seinen Preis hat und für Verteilungsgerechtigkeit keinen Raum mehr lässt. Dementsprechend gibt die Abschlusserklärung von Rio+20 keinen
Aufschluss, wie die globalen Probleme gelöst werden sollen. Neben Lippenbekenntnissen zu einer nachhaltigen Entwicklung wird die Notwendigkeit “ökonomischen Fortschritts” betont, die Einschränkung in Bezug auf die Klimaziele erfordert. Was genau sich verbessern soll bleibt vage, klar ist jedoch, dass es nicht zu Lasten “der Wirtschaft” gehen soll.
Und es ist richtig: im bestehenden Wirtschaftssystem, einer auf Wachstum ausgerichteten Ordnung, sind soziale und ökologische Gerechtigkeit nicht unter einen Hut zu bringen. Einsparungen und Effizienzsteigerungen mögen ökonomisch sinnvoll sein und den steigenden Ressourcenverbrauch bremsen. Jeder daraus resultierende Gewinn wird aber durch ein Gesamtwachstum überkompensiert, frei nach dem Motto “Ich habe ja schon gespart; die dadurch frei werdenden Ressourcen können andernorts sinnvoll eingesetzt werden”. Denn Wachstum ist angeblich nötig, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, sonst leiden nicht nur Unternehmen, sondern die ganze Bevölkerung darunter. Und so wird von weiten Teilen des Politikbetriebs (auch roten und grünen Politiker_innen) am Mantra des “Immer mehr” festgehalten.
Der Ausweg aus der europäische Schuldenkrise soll deshalb ein “Wachstumspakt” sein, wobei meist nur am Rande erwähnt wird, dass er – wenn möglich – irgendwie nachhaltig gestaltet werden solle. Denn die Erfahrungen der letzten 20 Jahre dürften allen deutlich gemacht haben: Ein nachhaltiges Wachstum ist allenfalls punktuell erreichbar, im Großen und Ganzen geht es doch zu Lasten künftiger Generationen
Der Ausweg kann deshalb nur in tiefgreifenden Veränderungen bestehen. Um einen nachhaltigen und gerechten Umbau der Gesellschaft zu erreichen, muss auf eine Vielzahl von alternativen Konzepten zurückgegriffen werden: Schrumpfung, Demokratisierung der Wirtschaft, Solidarische Ökonomie… Und da dies auf Staatenebene nicht erreichbar ist, sind Graswurzelprojekte umso wichtiger. Deshalb freuen wir uns über das Projekt “Sailing for Sustainability” , dass zur Zeit mehrere Ostseestädte ansteuert und unterschiedliche Ansätze für eine echte Veränderung ausprobiert. Die Beteiligten sind Vorreiter_innen eines Gedanken, der sich zusammen mit vielen und vielfältigen Projekten weltweit als Bottom up-Entwicklung durchsetzen muss: If we put humanity before profit and solidarity above competition we can live wonderful lives without destroying our planet.
Bilder: Greepeace, Sailing for Sustainability

1. Dominik
Kommentar vom 10. Juli 2012 um 15:42
Ich finde es sehr gut, dass ihr solche Artikel schreibt. Endlich argumentiert mal jemand gegen diese grüne Ökokapitalisten, die denken mit bissl Konsumerismus ändert sich alles. Pustekuchen. Noch heute gibt es Kinderarbeit, trotz American Apperal!
2. Captain Planet
Kommentar vom 11. Juli 2012 um 11:18
Schöne Artikel!
Ich möchte noch einige Sachen hinzufügen. Wirtschaften mit der Annahme, dass immer mehr produziert und konsumiert werden kann, ist mit grünen und roten Zielen nicht vereinbar. Dennoch denke ich, dass die bisher entwickelten Alternativen wie bio, fair, rugmark und die 1000 anderen Labes und Ideen einen Unterschied machen. Obwohl sie nur einen kleinen Teil des großen Ganzen ausmachen, bedeutet eine “bio” oder “fair” Wirtschaftsweise eine konkrete Veränderung für die Beteiligten Menschen und das beackert Land.
Dennoch passen sich die bekanntesten Alternativen immernoch in die üblichen Geld-, Unternehmen- und Konsumstrukturen ein. Sie sind daher meiner Meinung nach noch nicht der Weiheit letzter Schluss.
Nach mindestens 150 Jahren Marktwirtschaft/Kapitalismus liegen jedoch kaum ausgearbeitete alternative Konzepte auf dem Tisch. Solche zu entwerfen, zu diskutieren, zu erproben und foranzutreiben halte für lohnenswert.