Nachruf – Nachtritt?

Da wurde im aktuellen Moritz-Magazin der AStA-Newsletter gerade als Ausdruck des visionsarmen, sich selbstverwaltenden AStA kritisiert, da überrascht die Vorsitzende Solvejg Jenssen in der aktuellen Ausgabe für März/April mit einem „Nachruf zum Bildungsstreik“: Sie bleibt nicht in hochschulpolitisch ungefährlichen, „seichten“ Gewässern, sondern kritisiert die AktivistInnen der Audimax-Besetzung vom November 2009, spricht sie direkt an: „Was ist passiert, wo seid ihr hin? Wurde bemerkt, dass doch mehr dazu gehört als den Audimax zu besetzen, um etwas zu verändern oder hat man einfach die Lust verloren?“

Die Frage ist berechtigt, denn so sehr der Protest gegen bildungspolitische Missstände angebracht war (was schließlich auch der AStA zugab) – viel verbessert hat sich nicht seit November. Doch der Ton – die Unterstellung von Faulheit oder Desinteresse – zeigt schon, wie das Engagement der Studierenden eigentlich gesehen wird. Man wünsche sich sachliche Zuarbeit wie beispielsweise in Rostock – dabei wird verkannt, dass der Bildungsstreik eine Aktionsform ist, die gerade nicht in das klassische Gremienschema passt und sich deshalb auch schwer in ein hierarchisches Zuarbeitsverhältnis einpassen lässt. Der Bildungsstreik will nicht die „bessere“ Gremienarbeit machen, sondern zielt auf eine andere Form des Widerstands gegen einseitiges Leucht-/Kirch-/ oder Elfenbeinturmdenken ab.

Da sowohl die Arbeit des AStA als auch der Protest auf der Straße oder im Audimax sinnvoll sind, wäre es natürlich wünschenswert, wenn sich mehr Leute engagieren würden. Insofern ist es schön, dass Solvejg sagt „Unsere Tür steht Euch aber nach wie vor offen.“ Wenn man dies aber in diesem Tonfall und mit einem Hierarchieanspruch macht, dann muss man sich fragen, ob man für eine Kooperation die Tür nicht erst einmal wieder öffnen sollte. Vielleicht fiel diese ja schon zu, als sich vom Bildungsstreik distanziert und die angebliche Einschränkung des Lehrbetriebs kritisiert wurde, anstatt das Engagement zu unterstützen.

Gerade in Zeiten der geplanten Schließung der Lehramtsstudiengänge ist es wichtig, die Reihen innerhalb der Studierendenschaft zu schließen. Eine einseitiges „Macht den ersten Schritt!“ ohne jegliche Selbstkritik macht es jedoch nicht einfacher, gemeinsam und auf Augenhöhe für die Anliegen der Studierendenschaft zu kämpfen. Der Nachruf erscheint so eher als Nachtritt.


1 Kommentar und 1 Trackback/Pingback

  1. 1. Erik

    Kommentar vom 17. April 2010 um 19:47

    Zustimmung! Der Nachruf ist eine Frechheit und isoliert den AStA gerade in Zeiten in denen Zusammenhalt nötig ist.

  2. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Erik von Malottki erwähnt. Erik von Malottki sagte: Die GHG hat auf ihrem Blog die richtigen Worte zum Newsletterbeitrag des AStA gefunden: http://www.wildwuchs-mv.de/?p=775 [...]

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