Die Arroganz der Möchtegern-Macht

Franz-Robert Liskow ist ein ganz toller Hecht, schon richtig Politiker. Das bewies er nicht nur gestern beim AStA-Podium zur Kreistagswahl, sondern vor allem danach. In einem hetzerischen Kommentar mit zahlreichen Verkürzungen zeigt er, dass er – ganz der Vater – vor versammeltem Publikum gerne den Bodenständigen raushängen lässt, aber auch ein waschechter Politkampfhund ist. Nettes Lächeln und Nachtreten.

Auf dem Podium wies er auf jeden Fall mehrmals auf seine – nicht näher ausgeführte – kommunalpolitische Erfahrung hin, um zu zeigen, dass er ein ganz Erfahrener ist. Stolz erzählt er danach, er habe „in bisschen aus meiner kommunalpolitischen Erfahrung und Erlebnissen berichten [sic]“ können, was angesichts des bloßen „Ich bin seit zwei Jahren in der Bürgerschaft“ nichts Gutes bedeutet, aber ok. Die Anwesenheit in der Bürgerschaft heißt zwar nicht automatisch, dass man auch wirklich was geleistet hat, aber ich will ihm mal abnehmen, dass er mit dieser Behauptung einfach Recht hat. Dass er mit seiner ausgeprägten Vertrauen auf das Gute in der Wirtschaft ebenso Recht hat, mag man auch für etwas zu undifferenziert halten. Nachdem er dem verlorenen Kampf ums Steinkohlekraftwerk Lubmin nachtrauerte, fragte ich ihn, wie er die Wirkung solcher Großprojekte auf den Tourismus in der Region einschätze – die Antwort ungefähr: irgendwo müssen die Dinger ja gebaut werden und hier bringt es Arbeitsplätze. Der Gedanke, dass nicht jede Region so viele Tourist_innen anzieht wie Vorpommern und dass es möglicherweise gar kein Muss geben könnte, floss leider nicht in seiner Abwägung ein. Doch das alles ist nicht wirklich schlimm, jeder Mensch hat unterschiedliche Prioritäten und deshalb gibt es ja Wahlen. Und ein echter Politiker muss ja vor allem vor den Wahlen ausschließlich die Vorteile betonen und die Nachteile konsequent ignorieren.

Dass Liskow seine Überzeugungen für absolute Wahrheiten hält, ist allerdings schon äußerst problematisch. Zwei Podiumsteilnehmer sprachen sich gegen die Subventionierung des Usedomer Flughafens aus, und für Liskow steht damit fest, dass diese ob ihrer „hanebüchenen Forderungen“ keine Fachkompetenz besitzen. Ein Steinkohlekraftwerk ist unproblematisch mit dem Tourismus vereinbar, aber eine Insel braucht unbedingt einen Flughafen. Es möge jede_r selbst entscheiden, (ob) was davon hanebüchen ist.

Ich könnte Widerlegungen der Liskowschen Glanzleistung noch lange weiterführen, etwa dass Erik von Malottkis angeblich „wirren Behauptungen und Lügen“ dazu führten, dass ein CDU-Lokalpolitiker sich das erste Mal gegen die von der Bundesregierung unterstütze EWN-Klage auf unbegrenzte Zwischenlagerung in Lubmin aussprach. Aber abschließend ist mir vor allem eine Anmerkung zu Liskows Stil wichtig: Wer selbstsicher nicht nur seine eigenen Leistungen in den Himmel lobt und die der Gegner_innen niedermacht, sondern auch noch maßlos übertreibt, Tatsachen verdreht und sich anmaßt die Stimmung des (gesamten) Publikums zur erkennen (Erik glänzte ausschließlich mit Nichtwissen schwieg dann und sorgte für Gelächter unter den Anwesenden – wie bitte?), der pflegt einen äußert ungesunden Politikstil, der sich allenfalls für eine Auseinandersetzung in Boulevardmedien, aber nicht für eine sachliche politische Debatte eignet. Und ich hatte gehofft, für die unterste Schublade im neuen Kreistag schon eine andere Partei zuständige sein würde…


2 Kommentare

  1. 1. Konstantin

    Kommentar vom 31. August 2011 um 09:30

    Und hat Steffi nun vorgelesen,oder nicht?

  2. 2. Peter

    Kommentar vom 31. August 2011 um 18:30

    Vorgelesen – soweit ich das beobachtet habe – nicht. Klar hat sie wiederholt in ihren Notizen nach Stichpunkten gesucht. Manche Leute haben sogar Verständnis dafür, dass junge Studierende, die das erste Mal bei einer Kommunalwahl antreten und das erste Mal bei einer Podiumsdiskussion antreten, ziemlich aufgeregt sind. Wer will, dass junge Leute nur dann in die Politik gehen dürfen, wenn sie schon vorgefertigte Phrasen ohne zu Zögern abspulen können, mag Steffis verhalten schlimm finden.

    Aber in meinem Artikel kritisiere ich vor allem den Stil: erst auf einer Podiumsdiskussion brav da sitzen und den Mitbewerber_innen nichts vorwerfen, am Tag danach aber heftig austeilen…

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